cup2gether - Berger Mehrwegbecher

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Esskultur und Nachhaltigkeit

Lust auf besser leben

60385 Frankfurt, Hessen

cup2gether.de

Im Stadtteil Frankfurt-Bornheim verdrängt der „Berger Mehrwegbecher“ den umweltschädlichen Einwegbecher aus der Gastronomie. Das Konzept basiert auf einem freiwilligen Sharing-Ansatz und Kreislaufmodell und wird bereits erfolgreich im Zuge des „Tüten-Systems“ durchgeführt.

Worum geht es?
Seit dem Jahr 2000 entstehen allein in Deutschland über 106.000 Tonnen Abfall pro Jahr durch To-Go-Getränke-Verpackungen (mehr als durch Plastiktüten, die rund 95.000 Tonnen Abfall jährlich produzieren). Bei Heißgetränken macht das ca. 60 Becher pro Kopf im Jahr – Tendenz steigend. Das Phänomen einer schnelllebigen Esskultur, eines wenig umsichtigen Umgangs mit Müll und die daraus entstehenden Umweltschäden, sind eine große Herausforderung.

Der Gewerbeverein Bornheim Mitte startete Ende 2016 mit uns das Projekt „Ich bin dabei: Plastikfrei!“ auf der Frankfurter Berger Straße. Zusammen mit Bürger*innen, Markt- und Einzelhandel entwickelten wir eine Alternative zur Einwegtüte. Seit Juni gibt es zehn Taschenstationen entlang der 2,9 km langen Straße. Das Prinzip funktioniert so: Bürger*innen haben eine Einkaufstasche vergessen? Bei mehreren Stationen gibt es kostenfreie Taschen zum Mitnehmen, auch wenn nicht im Laden eingekauft wird. Damit ein Mehrweg-Kreislauf entsteht, der umweltschonend ist, bringen die Bürger bei Gelegenheit saubere, gebrauchte Beutel wieder zurück. Nach drei Monaten erfolgreicher Pilotphase führen die Händler*innen die Aktion nun eigenverantwortlich fort.

Nun möchten wir unser Konzept auf ein Mehrwegpfandsystem für To-Go-Becher ausweiten. Bisherige Konzepte für Mehrwegbecher in anderen Städten sind wenig praktikabel. Grund dafür ist, dass die bestehenden Initiativen wie der „Becherbonus“ vom Land oder „ReCup“ in München langfristig schwer umsetzbar sind, da die Betriebe die alleinige Verantwortung tragen. Eine weitere Herausforderung ist, dass es noch kein Material gibt, welches wirklich umweltfreundlich, ökobilanziell akzeptierbar und recycelbar ist. Zwar können wir keine neuen Materialien erfinden, verwenden aber nicht ausschließlich neue Becher, sondern auch bereits bestehende Becher, die ebenfalls in das Tauschsystem integrieren werden.

Das vorliegende Projekt wird in ein Mehrweg-Pfandsystem für Café-To-Go-Becher münden, dessen Erfolg als gemeinschaftliche Herausforderung betrachtet wird. Dazu kreieren wir eine Challenge für die gesamte Berger Straße. So motivieren wir alle Beteiligten, als Teil des Projektes zum Erfolg beizutragen. Verschiedene Aktionen stärken das Engagement der Teilnehmenden. Zielgruppe sind Bürger*innen, Gewerbetreibende mit To-Go-Getränken im Sortiment, Unternehmen, deren Mitarbeiter*innen rund um die Bergerstraße arbeiten und die Stadt Frankfurt. Mit der Erfahrung, unserem Netzwerk und der vorliegenden Idee gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltige Esskultur.
Was sind unsere Ziele?
Unser Ziel ist es, Lösungen für die ökologische Herausforderung der To-Go-Becher zu finden und Beteiligte für die Probleme rund um Müllproduktion und unreflektierten Konsum zu sensibilisieren. Wir möchten eine alltagstaugliche Lösung anbieten, die langfristig angenommen wird. Gemeinsam mit den Partnern „cup2gether“, der Initiative zur Einführung eines Mehrweg-Pfandsystems in Frankfurt, #cleanffm und den Gewerbevereinen werden wir innerhalb von sechs Monaten das Konzept entwickeln. Ergänzend wird mit dem Ernährungsrat ein „Runder Tisch: Verpackung und Esskultur“ stattfinden. Das Projekt wird die Gastronomie der Berger Straße einbinden, wo zuvor erfolgreich Tragetaschenstationen installiert wurden. Der kultige „Berger Becher“ besteht aus natürlichen Rohstoffen (u.a. Baumharzen, Glucose und Stärke). Mit der Berger Straßen-Challenge wollen wir beweisen, dass ein Pfand-Mehrwegsystem in Frankfurt durchaus umsetzbar ist, wenn alle Beteiligten motiviert mitmachen. Daher schaffen wir ein Anreizsystem, bis Ende Mai a) auf Einweg zu verzichten und b) als Betrieb oder Becherbotschafter*in mitzumachen.

Zuvor erarbeiten wir folgende Teilziele:
1) Wir entwickeln den „cup2gether! – Besser Bechern auf der Berger – Becher“ und lassen zunächst 3.000 Stück regional produzieren.

2) Anfang März starten wir die Challenge. Diese richtet sich an drei unterschiedliche Zielgruppen:
• Engagierte Bürger*innen, die wir zu Botschafter*innen ausbilden. Durch die Multiplikatoreffekte gewinnen wir andere Mitbürger*innen für unser Projekt.
• Betriebe, die eine Abgabestation zum Einsammeln benutzter Becher betreuen.
• Cafés und Gastronomie, die eine Spülmaschine zur Verfügung stellen oder Rabatte auf Mehrweg-Lösungen geben.
So ermöglichen wir, dass die Verantwortung zur Müllvermeidung nicht nur bei den Betreiber*innen liegt, sondern als gesamtgesellschaftliche, kulturelle Aufgabe begriffen wird. Wir werden diese Challenge via Social Media begleiten und auf Stadtteilevents darauf aufmerksam machen. Mit Informationsmaterial klären wir über die Folgen von Einwegprodukten auf und ermuntern zum Mitmachen. Über die Anzahl der Teilnehmenden messen wir den Erfolg.

3) Parallel starten wir einen Filmwettbewerb mit anliegenden Schulen. Es sollen Kurzfilme zum Thema Becher/Müll/Esskultur gedreht werden. Die Filme sollen später die Becherbotschafter*innen in ihrer Arbeit unterstützen. Ende Mai werden die besten Filme, im Rahmen der Vergabe eines Nachhaltigkeitspreises, öffentlich prämiert.
Wer ist unsere Zielgruppe?
Erwachsene 19 – 69 Jahre,
Generation 70+,
Kinder/Jugendliche,
regionale Akteure
Wie ist das Projekt lokal und regional verankert?
Das Projekt schließt an die Erfahrung der Plastikfrei-Kampagne mit Händler*innen, Restaurants und Bürger*innen auf der Frankfurter Berger Straße an. Wir kennen die Multiplikator*innen wie Gewerbetreibende, Vereine und soziale Einrichtungen der Umgebung und wissen, welche Zugänge und Strukturen für das Gelingen des Projektes sinnvoll sind.

Die Installation von Taschenstationen ist mittlerweile in Biomärkte in Bad Homburg übertragen worden. Wir streben eine Ausweitung des Konzepts in andere Stadtteile an. Über unsere Netzwerke in der Region können wir die Erfahrungen mit Themen- und Medienpartner*innen über Frankfurts Grenzen hinaustragen.

Die Beteiligung von Bürger*innen und kleinen Betrieben am Projekt wird zu einer deutlichen Mehrnutzung von Mehrwegbechern und Stärkung des Gemeinschaftsgefühls vor Ort führen. Wenn wir mit dem Projekt nur 10 % der Menschen der Region erreichen, könnten wir auf über 8.000 Bürger*innen dazu bewegen, Mehrweg-Lösungen zu nutzen. Mit Hilfe der Verbreitung der Ideen über Social Media rechnen wir mit einer Reichweite von bis zu 12.000 Personen pro Woche. Unsere gute Vernetzung mit der Medienwelt wird für eine breite Berichterstattung sorgen. Wir wollen mindestens 600 Botschafter*innen akquirieren, die als Multiplikator*innen ein Bewusstsein für das Problem der Einwegprodukte schaffen und Verhaltensänderungen fördern.
Worin liegt die Innovation unseres Projektes?
Es ist wichtig, das Thema Esskultur als Auftakt einer Debatte und eines Prozesses zu begreifen, der die Auswirkungen des Einweg-Konsums auf die Umwelt anprangert. Unsere Herangehensweise des Multi-Stakeholder-Dialogs ist innovativ und wird von uns als Voraussetzung für ein Gelingen des Projektes empfunden. Wir berücksichtigen bei der Konzeptionierung die Alltagstauglichkeit und beziehen durch die Challenge die Gesellschaft aktiv mit ein und zeigen Ihnen, welche Auswirkungen ihr Konsumverhaltens hat.

Systemische Nachhaltigkeitsentwicklung kann nur durch und mit mündigen Betroffenen im gemeinsamen Austausch erfolgen. In einem offenen Prozess entwickeln wir im Diskurs Lösungen. Dies ist aufwendiger als die Umsetzung einer fertigen Idee, doch haben wir zuvor die Erfahrung gemacht, dass der offene Prozess zum Erfolg führt, da eine selbstverantwortlich getragene Verstetigung der Konzepte ermöglicht wird.
Wer sind wir?
2013 als Initiative entstanden, wurde 2015 die Lust auf besser leben gGmbH gegründet, die heute von Marlene Haas und Dr. Alexandra von Winning geleitet wird. Wir verstehen uns als Anlaufstelle für Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft. Als gemeinnütziges Sozialunternehmen setzen wir uns für eine Kultur der Nachhaltigkeit ein. Wir fördern nachhaltiges Handeln mit dem Ziel, die Agenda2030 alltagstauglich zu machen. Dabei fördern wir lokale Organisationen als Treiber*innen für nachhaltige Entwicklung. Gemeinsam mit ihnen und Bürger*innen gestalten wir Projekte. Wir sind als eine von der UNESCO als BNE-Netzwerk ausgezeichnete Community gestartet. Die „Nachhaltigkeitsbotschafter“ – kleine Betriebe und Organisationen – treffen sich zum Austausch im „Botschafterklub“, um voneinander zu lernen. Derzeit programmieren wir den zielgruppenspezifischen online „N.Check“. Zusätzlich bieten wir einen Webguide und eine Online Community zu nachhaltigem Leben und BNE an.
Laufzeit der Förderung
6 Monate
Höhe der Förderung
27 258,90 EUR

Nachhaltigkeitsziele

  • SDG 11: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, wider­stands­fähig und nachhaltig gestalten
  • SDG 12: Nachhaltige Konsum- und Produktions­muster sicherstellen
  • SDG 9: Eine widerstands­fähige Infrastruktur auf­bauen, breiten­wirksame und nach­haltige Industriali­sierung fördern und Innova­tionen unter­stützen